Nordlichter
Für alle skandinavischen Länder gilt: Es handelt sich um Hochlohnländer, in denen die Baubranche in den letzten Jahren deutlich schneller gewachsen ist als die Gesamtwirtschaft. Treiber war der Wohnungsbau, der aufgrund gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise allerdings derzeit stagniert oder sogar rückläufig ist. Umfangreiche Infrastrukturprojekte führen dennoch zu einem Mangel an Material und Fachkräften.
Was fällt Ihnen spontan zu Skandinavien ein? Wahrscheinlich die Fjorde und Schären, harte Winter und die Weltoffenheit der Skandinavier. An den seit Jahren anhaltenden Bauboom hingegen werden Sie nicht sofort denken. Dennoch prägt dieser Boom die Länder im hohen Norden seit einigen Jahren. Inzwischen sind viele einheimische Bauunternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Für ausländische Firmen bedeutet das, dass sie gute Chancen haben, in Skandinavien Fuß zu fassen. Geschäfts- statt Urlaubsreise also. Doch wer solche Ambitionen hat, muss die Besonderheiten der Märkte kennen.
Schweden: Arbeit auf Projektbasis
Aufgrund der guten Lage der öffentlichen Haushalte in Schweden werden vermutlich die Investitionen im Infrastruktursektor, insbesondere in die Verkehrswege, in den nächsten Jahren steigen. Auch die Energiebranche und der Kraftwerksbau werden mit Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen für eine anhaltend rege Investitionstätigkeit sorgen.
Die Baubranche in Schweden ist klein- und mittelständisch geprägt. Über ausreichende Ressourcen für die Planung und Durchführung von komplexen Bauvorhaben im Infrastrukturbereich verfügen nur die vier größten Unternehmen, während die Stärke der kleineren Firmen im Wohnungsbau liegt. Die im Land aktiven ausländischen Bauunternehmen arbeiten in der Regel auf Projektbasis. In Schweden ist der industrielle Holzbau mit hohem Vorfertigungsgrad weit verbreitet. Deutsche Architekten und Ingenieure müssen sich deshalb auf eine andere Aufgabengewichtung und zum Teil andere Arbeitsweise als in Deutschland einstellen.
Norwegen: Kooperation empfohlen
Auch in Norwegen rechnen Fachleute mit hohen Investitionen vor allem im Infrastrukturbereich: Der nationale Transportplan sieht zwischen 2006 und 2012 einen Ausbau des Straßen- und Schienennetz inkl. des Tunnelsystems vor. Die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Oslo 2011 wirken sich positiv auf den Sportstättenbau aus. Außerdem müssen neue Gaswerke gebaut werden, denn es kommt in Norwegen infolge des erhöhten Energiebedarfs neu errichteter Industrieanlagen zu Versorgungsengpässen.
Ausländisches Engagement
Typisch für die norwegische Bauwirtschaft ist die große Zahl kleiner und sehr kleiner Firmen mit geringen personellen und finanziellen Ressourcen. Produktionsengpässe und ein immenser Personalmangel haben dazu geführt, dass in dem bislang stark regulierten norwegischen Markt nun auch ausländische Firmen Fuß fassen können. Inzwischen engagieren sich insbesondere schwedische und dänische Baufirmen, zunehmend aber auch Mitbewerber aus Finnland, Polen und dem Baltikum. Deutsche Unternehmen sind vor allem in speziellen Wohnungsbausparten, in den Bereichen technische Gebäudeausrüstungen, Schalungs- und Gerüstsysteme sowie im Tunnelbau tätig.
Sprache, Kultur, Beziehungsnetze sowie das rechtliche Umfeld sind in Norwegen zum Teil sehr spezifisch. Außerdem wird eine hohe Fachkompetenz für den Bau großer Holzkonstruktionen, für Tunnel und den Aushub von Felshöhlen sowie für den Straßen- und Brückenbau gefordert. Marktkenner empfehlen ausländischen Firmen deshalb eine enge Kooperation mit einem leistungsfähigen norwegischen Partner.
Dänemark: Ausländisches Know-how gefragt
Die öffentlichen Investitionen in Dänemark steigen insbesondere aufgrund einer Anfang 2007 in Kraft getretenen Verwaltungsreform. Regionen und Kommunen wurden neu organisiert, und nun müssen in größerem Umfang Bürogebäude errichtet und modernisiert werden. Den Wirtschaftsbau bringt ein neues Gesetz voran, das den Bau von Geschäftsflächen in Städten auch in einer Größe von mehr als 500 qm erlaubt. 2010 wird mit dem Bau der Fehmarn-Brücke nach Deutschland durch dänische Investoren begonnen.
Auch in Dänemark müssen viele Firmen inzwischen aus Mangel an geeigneten Fachkräften und Material Aufträge ablehnen. Das fördert die Investition in neue Techniken und schnelle Bauweisen. Das Baugewerbe bleibt auch 2008 einer der Wirtschaftssektoren mit den besten Kooperationschancen für ausländische Firmen. Ausländische Baustoffe und Know-how in der Bauausführung sind sehr gefragt. Um dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken, werden verstärkt ausländische Mitarbeiter angeworben. Sie benötigen spezifische Kenntnisse, denn in Dänemark werden im Bereich des Hochbaus rund 85 Prozent aller Bauvorhaben mit Betonfertigteilen realisiert. Gefordert werden in der Regel stärker als in anderen Ländern Mehrsprachigkeit, Teamfähigkeit, Innovationsgeist und die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen.
Information gesucht?
Wer nun statt der Urlaubs- die Geschäftsreise im Sinn hat, findet im Internet zahlreiche Orientierungsmöglichkeiten. Die Botschaften der Länder geben erste Informationen und weiterführende Links. In vielen Ländern bieten spezielle Agenturen des Wirtschaftsministeriums Hilfe an, so wie in Deutschland die bfai. Auch bei den Außenwirtschaftskammern können sich Interessierte informieren. Fast immer werden auf den Sites konkrete Ansprechpartner genannt, die weiterführende Fragen beantworten.
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