Berlins neuer Hauptbahnhof ein Glaspalast
Berlins spektakulärste Baustelle ist derzeit der Lehrter Bahnhof. Das rund 2,5 Mrd. Euro teure Projekt soll zur Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr fertiggestellt sein. Damit Europas größter Umsteigebahnhof inklusive der zugehörigen Bürobauten pünktlich seinen Betrieb aufnehmen kann, sorgen Schalsysteme von Hünnebeck für einen zügigen Baufortschritt. Insbesondere das trägerlose Topec-Deckenschalsystem senkte die Schalzeiten auf unter 0,2 h/m².
Der neue Berliner Hauptbahnhof entsteht auf dem Gelände des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lehrter Bahnhofs. Er verknüpft die Ost-West-ICE-Trasse mit der neu angelegten Nord-Süd-Verbindung und bietet an jedem Tag Umsteigemöglichkeiten zu über 1000 U-Bahnzügen und mehr als 800 S-Bahnen.
Optisch beeindruckt der riesige Gebäudekomplex durch seine filigrane Glas-Stahl-Konstruktion. Die lichtdurchflutete 180 m lange und 27 m hohe Bahnhofshalle bekommt ein Dach aus Glas und wird von zwei Bürogebäuden (je 183 x 22 m) eingerahmt. Diese sind 46 m hoch und bieten mit ihren zwölf Etagen 49 000 m² Bruttogeschossfläche. Sie überspannen die Ost-West-Trasse brückenartig auf einer Breite von etwa 87 m.
Schnelle Schaltechnik für kurze Bauzeit
Die Planung des neuen Zentralbahnhofs liegt in den Händen des Büros Gerkan, Marg & Partner. Bis 1998 entstanden zunächst neun Baugruben mit einer Fläche von 90 000 m² - das entspricht elf Fußballfeldern. 1,5 Millionen m3 Erde wurden ausgehoben und per Schiff abtransportiert. Mit der Grundsteinlegung am 9. September 1998 begann dann der eigentliche Bahnhofsbau.
Die Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, Niederlassung Berlin, führt für die Arge Mero/Donges den Betonbau der 46 m hohen, zwölfgeschossigen Bürobauten aus. Da auch diese zur Fußballweltmeisterschaft im Juni 2006 fertig sein müssen - und das bei einer Rohbauzeit von nur 13 Monaten - suchte Wayss & Freytag einen kompetenten Schalungspartner mit sehr schnell aufzubauenden Schalungen, dem nötigen Know-how und der Fähigkeit, auch große Schalungsmengen prompt liefern zu können. Das von der Berliner Hünnebeck-Niederlassung vorgelegte Konzept überzeugte, und man erhielt den Auftrag, alle erforderlichen Wand- und Deckenschalungen auf die Baustelle zu liefern.
Kletterschalung für 14 Treppen- und Aufzugschachtkerne
Der Bauzeitenplan sah vor, die Treppentürme vorzuklettern und die Decken nachzuziehen. Hünnebeck lieferte das Kletterfahrgerüst CS 240L für elf der vierzehn Türme. Die acht Treppenhauskerne erforderten besondere Maßnahmen. Durch die großen Zugangsöffnungen waren bis zu 10 m lange Bühnen erforderlich, deren Verankerungsteile in nur sehr kleinen Bereichen angeordnet werden konnten: in der Mitte störten die Zugangsöffnungen, an den Ecken die bis zu 160 kg schweren Einbauteile für den Stahlbau. So betrugen manche Konsolabstände fast 6 m. Ein anderer Vorteil des Kletterfahrgerüstes CS 240L ist das Lastdreieck, das erst durch das Zusammensetzen dreier Komponenten entsteht. So lassen sich die Bühnen inklusive Belag Platz sparend auf die Baustelle liefern. Dort werden sie mit wenigen Handgriffen ergänzt und schnell zum Einsatzort gehoben.
Rund 800 m² der Manto-Wandschalung (3,90 m hoch) wurden mit dem Konsolgerüst zu kranumsetzbaren Einheiten verbunden. Durch die Abrückvorrichtung auf den Konsolen lässt sich die Schalung zur Montage der neuen Konsolverankerung um bis zu 80 cm abfahren. Die Geometrie der Stahlbeton-Kerne erforderte eine Sonderlösung, die den sich vertikal ändernden Wanddicken Rechnung trug. Die Manto-Innenschachtschalung stand auf einer Bühne aus Klinkbühnenträgern, die teilweise als Sonderkonstruktion ausgeführt waren. Um eine komplette Bühne umzusetzen, ist stets nur ein Kranhub erforderlich. Hierbei klappen die so genannten Klinken an den Trägerenden beim Hochziehen nach unten und - mittels Schwerkraft - in der nächsten Ebene automatisch in die vorab einbetonierten Aussparungskästen.
ID 15-Rahmenstützen für 10 m hohe Decken
Um die betonierten Treppentürme herum wurden anschließend die zwölfgeschossigen Bürobauten in Stahlskelettbauweise errichtet und deren Decken geschalt und betoniert. Die Decken-Teilbereiche in den unteren Geschossen hatten eine Schalhöhe von rund 10 m. Als Abstützung für die Schalung aus H20 Joch- und Belagträgern wurden deshalb Rahmenstützen ID 15 eingesetzt. Die nur 1 x 1 m im Grundriss messenden Stützen sind zugelassen für den Einsatz in den Gerüstgruppen I, II und III und bieten in Gruppe III eine maximale Tragfähigkeit von 160 kN. Sie lassen sich einfach auf- und abbauen, denn keines der ohnehin wenigen Einzelteile ist schwerer als 19 kg. Ein ID 15-Turm kann bequem am Boden liegend zur gewünschten Höhe montiert werden. Danach wird die Stütze dann per Kran aufgerichtet und platziert.
Topec-Deckenschalung: nur eine Stütze auf 3,24 m² Schalfläche
Die zehn Regelgeschosse haben eine Deckenhöhe von 3,60 m. Ein typischer Einsatzfall für die trägerlose Deckenschalung Topec. Sie besteht aus nur zwei Teilen: Tafel und Stütze. Auf der Berliner Baustelle werden die 180 x 180 cm messenden Topec-Großtafeln eingesetzt. Das reduziert die Zahl der Stützen erheblich, was wiederum die Schalzeiten enorm beschleunigt. Auf 3,24 m² Schalfläche wird nur eine Stütze benötigt. Das mit wenigen Handgriffen aufgestellte System wird bequem von unten her montiert: Stütze einhängen, Tafel hochschwenken, abstützen. Ebenso unkompliziert und bequem wie beim Einschalen geht es auch beim Ausschalen zu.
Weil Topec kaum vorbereitende Arbeiten benötigt, erreichten die Einschaler schon nach kurzer Einarbeitungszeit Schalzeiten von weniger als 0,2 h/m². Da die Baustelle unter enormem Termindruck steht, wird rund um die Uhr gearbeitet, auch samstags, sonn- und feiertags. Der Schalungsbedarf ist entsprechend hoch: für die Regelgeschosse werden 10 200 m² Topec-Deckenschalung vorgehalten.
Christian Henkel
Marketing/PR Hünnebeck GmbH
chenkel@huennebeck.com
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