Deutsche Schaltechnik für das höchste Gebäude der Welt
Beim Bau des höchsten Gebäudes der Welt, des knapp 800 m hohen "Burj Dubai", ist Schaltechnik "Engineered in Germany" gefragt. Konzept und Material der kompletten Wand-, Decken- und Unterzugschalung für den fünf- bis neungeschossigen Podiumbereich stammen von Hünnebeck. Ebenso wie auch die Decken- und Unterzugschalung der ersten zehn Etagen des "Turm von Dubai".
Ein Joint-Venture aus dem koreanischen Unternehmen Samsung, dem belgischen Bauunternehmen Besix und der lokalen Bauunternehmung Arabtec erstellt den Burj Dubai, dessen künftige Höhe derzeit offiziell mit 728,6 m angegeben wird. Doch kaum jemand zweifelt: das auf einer Grundfläche von 7 000 m² entstehende Y-förmige Bauwerk aus mehreren unterschiedlich hohen Turmflügeln wird wohl höher wachsen - schließlich wollen die Investoren sicher sein, das höchste Gebäude der Welt finanziert zu haben. 314 000 m² Bruttogeschossfläche umfasst der Tower, 170 000 m² der ihn umgebende so genannte Podiumbereich. Letzterer besteht aus drei fünf- bis neungeschossigen Gebäudeteilen, in denen neben Parkgaragen und Shopping-Meilen unter anderem ausgedehnte Fitness-, Wellness- und Spa-Bereiche geplant sind.
Materialschlacht in Dubai
Allein für die zu schalenden Deckenbereiche in Podium und Tower liefert Hünnebeck 9 500 m² Variomax-Holzträgerschalung, knapp 5 000 m² Deckentische, 900 ID 15-Rahmenstützen und gut 12 000 Stahlrohrstützen auf die Baustelle. Hinzu kommen für Wände und Säulen knapp 1 000 m² Manto-Großrahmenschalung, 14 Manto-Säulensätze und knapp 700 m2 Ronda-Rundschalung. "Für uns ist diese Baustelle wie eine große Messe", erzählt Frank Odzewalski. Er ist CEO (Chief Executive Officer) der neu gegründeten Tochtergesellschaft Hünnebeck Middle East und betreut die Baustelle in Dubai intensiv. "Viele unserer Produkte sind hier im Einsatz und beweisen ihre Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit." Das von Hünnebeck für den Podiumbereich erarbeitete Schalkonzept sei in Theorie und Umsetzung beispielsweise so überzeugend gewesen, dass die Arge zusätzliche Bauteile an Hünnebeck vergeben habe.
"Gewünscht waren effiziente Schallösungen, die sich einfach und sicher herstellen lassen", bringt Odzewalski die Forderungen der Auftraggeber auf den Punkt. Viele der Einschaler, die vor allem aus Indien, Pakistan und Bangladesh stammen, arbeiten beim Bau des Burj zum ersten Mal mit Stahlrahmensystemen. Odzewalski weiß: "Je einfacher das Handling der eingesetzten Schalgeräte, desto problemloser läuft die Baustelle. Und hier klappt es prima." Beispielsweise an den Wänden, wo die Manto-Großrahmenschalung eingesetzt wird. Das große Plus dieser Stahlrahmenschalung ist die so genannte Richtzwinge: sie verbindet die Manto-Tafeln in einem einzigen Arbeitsgang bündig, zug- und rüttelfest. Das erlaubt ein großflächiges Aufrichten, Einschalen und Umsetzen von bis zu 40 m² großen Manto-Elementen in einem Kranhub, ohne dass zusätzliche Aussteifungen eingebracht werden müssen. Ein weiterer Manto-Vorteil ist die einzigartige Rahmenhöhe von 14 cm. Dies und die innenliegenden Versteifungsrippen geben den Tafeln besondere Robustheit und ermöglichen ein uneingeschränkt schnelles Betonieren bis zu 3,30 m Höhe. Die vielen unterschiedlich starken Säulen werden mit den 14 vorgehaltenen Manto-Säulensätzen bewältigt. Ob 90 x 90 cm, 90 x 80 cm, 75 x 75 oder 60er Kantenlängen: mit den so genannten Manto VZ-Tafeln lassen sich Säulen im 5 cm Raster schalen.
Gelungene Premiere
Schalungstechnisch anspruchsvoll ist vor allem die Herstellung der spindelförmigen Auf- und Abfahrt in der Parkgarage. Ihre Wandflächen werden mit der Ronda-Rundschalung hergestellt, die sich millimetergenau auf Kreisradien ab 2,75 m einstellen lässt. "Die Einschaler haben zum ersten Mal mit diesem System gearbeitet und waren begeistert davon, wie einfach sich die einsatzfertigen Ronda-Elemente auf die zur gewünschten Form montieren lassen", berichtet Odzewalski von den ersten Erfahrungen.
Wo größere Deckenflächen zu schalen sind - beispielsweise im Bereich der Parkdecks - haben die Hünnebeck-Projektplaner Deckenschaltische als die technisch beste und wirtschaftlich sinnvollste Schallösung empfohlen. Andere Deckenbereiche im Podium und vor allem die ersten zehn Decken im Tower, wo enge, kleine Flächen zu schalen sind, eignen sich wiederum optimal für den Einsatz der Variomax-Holzträgerschalung. Insbesondere im Turmbereich müssen viele Unterzüge mit ganz unterschiedlichen Abmessungen geschalt werden. Das verlangt vom eingesetzten System große Anpassungsfähigkeit und Flexibilität - Bedingungen, für die Variomax entwickelt wurde.
Variomax-Holzträgerschalung: anpassungsfähig und flexibel
Dieses Holzträgersystem eignet sich für Raumbreiten auch unter 2,65 m, für Deckenstärken über 30 cm und Raumhöhen über 4,50 m. Ihre Vielseitigkeit bezieht die Variomax-Schalung unter anderem aus den variablen Abständen, mit denen Stützen, Joch- und Belagträger verlegt werden können. Beim Einschalen mit Variomax darf der Stützenabstand bis zu 2,94 m betragen. Die Jochträger können bis zu 4 m auseinander liegen, und der Belagträgerabstand ist variabel bis zu 75 cm. Das spart Material und Arbeitszeit. In Dubai werden hauptsächlich H 20-Träger als Joch- und Belagträger eingesetzt. Wenn die Lasten es erfordern, kann Variomax allerdings problemlos auf das Rasterträger-Sortiment R24 zurückgreifen. Bedarfsgerecht wählbar ist auch die Abstützung der Variomax-Schalung: von der Stahlrohrstütze bis ID 15-Turm für schwerste Lasten.
ID 15-Rahmenstütze: viel Last auf kleinem Raum
Beim Burj Dubai sind es neben den vielfach verwendeten Stahlrohrstützen vor allem ID 15-Türme, die die Holzträgerschalung unterstützen. Innerhalb der Parkgarage beispielsweise stützen die lediglich 1 x 1 m im Grundriss messenden Kraftpakete die schrägen Rampen der Auf- bzw. Abfahrten ab. Die Laststützen besitzen eine gelenkig angeschlossene Auflagerplatte an Kopf- und Fußspindel, die ein problemloses Anpassen an Neigungen bis 6 ermöglicht. Doch das sei nicht ihr einziger Vorzug, weiß Odzewalski, der vor allem auf das einfache Handling der Rahmenstütze schwört. Weil keines der ohnehin wenigen Einzelteile schwerer als 19 kg ist, lassen sie sich besonders einfach auf- und abbauen. Ein ID 15-Turm lässt sich bequem am Boden liegend zur gewünschten Höhe montieren. Danach wird die Stütze dann per Kran aufgerichtet und platziert.
Permanente baubegleitende Betreuung
Einen logistischen Kraftakt mussten Odzewalski und sein Team bewältigen, als die Arge wegen Zeitverzugs den Betoniertakt der ersten zehn Towerdecken änderte. Anstatt - wie ursprünglich vorgesehen - alle Decken nacheinander herzustellen, wurden kurzfristig die zweite und vierte Decke übersprungen. So entstanden auf einmal Deckenhöhen von knapp 10 m, was die benötigte Anzahl an ID 15-Stützen sprunghaft in die Höhe schnellen ließ. "Aber auch das haben wir mit dem entsprechendem Einsatz hingekriegt", berichtet Odzewalski gerne. Ohnehin sei die Arbeit auf der Dubai-Baustelle trotz der hohen Anforderungen enorm befriedigend, denn deutsches Engineering besitze hier einen sehr guten Ruf: "Flexible Reaktion auf sich ändernden Bauzeiten, Taktungen und Planungsänderungen ist zwar höchstes Gebot und eine echte Herausforderung. Doch Motivation und Kompetenz werden anerkannt und das Bemühen um eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit belohnt." Damit die Schalarbeiten beim Großprojekt Burj auch wirklich reibungslos ablaufen, hat Hünnebeck vor Ort ein Baustellenbüro eingerichtet. Sechs Ingenieure sorgen hier permanent für eine baubegleitende Betreuung. Sie arbeiten eng mit der Baustellenleitung zusammen, erarbeiten Ausführungs- und Einsatzpläne und koordinieren den Materialeinsatz.
Babette Bargatzky
Marketing | PR
bbargatzky@huennebeck.com
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