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Hoch hinaus - SCF-Selbstkletterschalung für den Pariser Tour T1

Absolute Kranunabhängigkeit beim Schalen suchte der französische Bauriese Bouygues Batiment für den Bau eines Wolkenkratzers. Mitten im Pariser Banken- und Büroviertel La Défense entsteht der gut 180 m hohe "Tour T1" mit 35 Obergeschossen. Eine modular aufgebaute Selbstkletterschalung aus dem Hause Hünnebeck lässt das halb elliptische Bauwerk alle vier Tage um knapp vier Meter in den Himmel wachsen - ohne Kranbeteiligung.

Nahezu 500 Tonnen wiegt das kletternde Arbeitsgerät inklusive Schalung, das den 22,0 x 22,1 m großen Betonkern des Büroturms (Grundriss: 54 x 62 m) herstellt. Besonderheit der eingesetzten SCF-Selbstkletterschalung: Jede Konsole hat eine Tragkraft von 15 Tonnen. Im Pariser Einsatzfall sorgt dieser Systemvorzug für besondere Wirtschaftlichkeit. Denn im künftigen, rund 25 m langen Korridor des Gebäudes klettern neun Bühnen, die jede von nur einer einzigen Konsole anstelle der sonst üblichen zwei getragen werden.

Sonderlösung: nur eine Konsole pro Bühne

Der Korridor ist durch Unterzüge schalungstechnisch in nahezu quadratische Abschnitte unterteilt. "Im Normalfall hätte man pro Schacht zwei Konsolen genommen, Stahlträger drüber, Bühne mit Schalung drauf. Aber bei einer Schachtgröße von nur 2,7 x 2,5 m bzw. 2,7 x 3,0 m  haben wir uns für eine einzige Konsole in der Mitte des Schachtes entschieden. Die hohe Konsolentragkraft unserer SCF macht´s möglich", erklärt Hünnebeck-Projektleiter Thomas Hofmann die Montage- wie auch Kletteraufwand sparende Lösung. Die Ratinger Projektabteilung hat im Auftrag von Hünnebeck France die technische Ausarbeitung der SCF-Konstruktion übernommen. Ein eigens für diesen Auftrag in Ratingen hergestelltes 1:1-Modell des für Paris vorgesehenen Konzepts brachte letzte Gewissheit: die 8 Quadratmeter große Bühnenkonstruktion bietet ausreichend Arbeitsraum und kann sich trotz der nicht alltäglichen Ein-Auflager-Lösung weder verdrehen noch kippen.

Das SCF-Modell hatte Bouygues nach Auftragsvergabe an Hünnebeck gewünscht, weil man unbedingt vor Montagebeginn "die bereits gekaufte Lösung intensiv begutachten wollte." Kranunabhängiges Arbeiten, große Arbeitsflächen und hohe zulässige Verkehrslasten in allen Ebenen waren von Beginn an die wichtigsten Anforderungen, die das Bauunternehmen an Hünnebecks SCF stellte. Dem Zufall wollte Bouygues nichts überlassen. Sämtliche Arbeitsabläufe wurden deshalb bereits in der Angebotsphase gemeinsam mit Hünnebeck detailliert durchdacht und geplant.

Heraus kam das bislang größte SCF-Projekt: eine Selbstkletterschalung aus 8 Außen- und 25 Innenbühnen, die von insgesamt 57 Konsolen getragen werden. Jede Bühne besitzt mindestens vier Ebenen: Betonierbühne, Zwischenbühne, Arbeitsbühne und erste Nachlaufbühne. Zehn Innenbühnen haben eine zweite Nachlaufbühne, zwei zusätzlich sogar noch eine dritte. Als Träger für die Nachlaufbühnen dienen H20-Holzträger.

Außen- wie Innenschalung bestehen aus der Manto-Großrahmenschalung. Verwendet werden 2,70 m hohe Tafeln, die mit 1,20er Tafeln und 15 cm Stahl aufgestockt sind. Sämtliche Schalungen werden von einem Trägerrost unterhalb der Betonierbühne abgehängt. Die bis zu 11,90 m langen Einheiten lassen sich von Hand um etwa 60 bis 100 cm abfahren.

Um den exakt 181,83 m hohen Kern des Tour T1 aus hochfestem Beton herzustellen, sind 48 Betoniertakte mit einer Regelhöhe von 3,91 m vorgesehen. Die Arbeitsabläufe pro Takt gleichen sich: ist der Beton erhärtet, wird ausgeschalt und anschließend der Kletterschuh am gerade ausgeschalten Takt montiert. Zuerst klettert die Kletterschiene, danach die Bühne. Anschließend ist alles bereit für die Bewehrungsarbeiten am nächsten Takt.

Klettern in Etappen

Geklettert wird in Paris mit insgesamt fünf Hydraulikaggregaten (zwei außen, drei innen). Jedes Aggregat lässt acht Konsolen gleichzeitig klettern, so dass der eigentliche Klettervorgang in weniger als einer Stunde erledigt wäre. Aber der ausgeklügelte Bauablaufplan schiebt die Bewehrungsarbeiten in die Kletterphasen und lässt daher die einzelnen Bühnen verteilt über zwei bis drei Tage klettern. Zunächst klettern alle Außenbühnen, dann folgt die Hälfte der großen Innenbühnen. Anschließend werden vorgeflochtene Bewehrungskörbe eingebaut - dabei dienen die bereits gekletterten Schalungen als Lehre. Nach Abschluss der Bewehrungsarbeiten werden dann auch die restlichen Bühnen auf die neue Arbeitshöhe geliftet. Der Klettervorgang an sich ist unspektakulär, denn die SCF klettert nahezu unmerklich und erschütterungsfrei. Plötzliches Rucken oder Verkanten kommen nicht vor, weil alle Bühnen in der Waagerechten bleiben.

Konzipiert für den internationalen Einsatz erfüllt die Hünnebeck-Selbstkletterschalung auch die strengen französischen Sicherheits- und Arbeitsschutzrichtlinien. Sie entspricht allen Sicherheitsanforderungen nach DIN, British und American Standard. Ein Grund für die hohe Sicherheit des SCF-Systems ist ihre Klinkenkonstruktion. Sie sichert die gesamte Einheit in jeder Taktphase - unter voller Belastung.

Größtmögliche Standardisierung, maßgeschneiderte Anpassung

Die SCF-Selbstkletterschalung eignet sich zur Herstellung ganz unterschiedlicher Bauwerksgeometrien - vom Gebäudekern bis zum Pylon. Sie passt sich Neigungen (positiv wie negativ) ebenso an wie Versätzen. Die Anpassung an die individuellen bauwerksspezifischen Erfordernisse erfolgt durch den Austausch einzelner Konstruktionsteile. So wird jede eingesetzte SCF zum Unikat, das exakt auf die Bauwerksspezifika abgestimmt ist.

 



Babette Bargatzky
Marketing | PR
bbargatzky@huennebeck.com

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